Diese Pädagogik widmet der Entwicklung des sensorischen Hörens einen bedeutenden Raum und schafft so beim Einzelnen Anhaltspunkte aus körperlichen Empfindungen, die ein schwaches, unsicheres oder schlicht ermüdetes Gehör unterstützen.

Dieser Ansatz ermöglicht es, die genaue Intonation zu festigen und das Stimmtimbre zu bereichern. Auch werden Konzentration, musikalisches Gedächtnis sowie Rhythmusgefühl entwickelt und Körperspannungen durch den Einsatz der Stimme und durchs Instrumentalspiel abgebaut. Angeregt vom bewusst erzeugten harmonischen Spektrum der Stimme gewinnt das Instrumentalspiel in seinem Ausdruck an differenzierter Klangfarbe.

Man kann Musik machen, ohne wirklich in seinem Hören präsent zu sein!

In der Musikpädagogik ganz allgemein kommt es vor, dass man die Zeit zum Hören überspringt, um sich direkt in die Nachahmung, ins „Tun“ , in die Reproduktion zu stürzen. Unsere zukünftigen Musiker – Berufsmusiker oder Amateure – sind oft losgelöst von ihrer Person und ihrem Körper; und das Erlernen eines Instruments wird oft von Empfehlungen wie „Höre was du machst“ oder „Entspanne dich“ begleitet, ohne dass die Schüler zwangsläufig wissen, wie sie das anstellen sollen oder warum es ihnen nicht gelingt.

Es wagen, sich Zeit zu nehmen

Es braucht eine gewisse Zeit, bis man die Schwingung der Töne mit dem ganzen Körper spürt und bis der Schüler die wertvollen natürlichen Hilfsmittel entdeckt, über die er beim Lernen verfügt. Die zur Festigung dieser Basis aufgewendete Zeit wird aber in der Folge reichlich wieder eingeholt.

Die Pädagogik des Hörens bezieht sich auf die Person genauso wie auf den Körper , denn die pädagogische Beziehung ist unabdingbar, damit der Schüler Zugang zu sich selbst bekommt. Kinder oder Erwachsene, die nicht gut singen oder keine Lust zum Singen haben, müssen sich in ihrer Schwierigkeit angenommen fühlen. Sie müssen Zutrauen und Elan zum Singen wiederfinden, indem sie mit wachsendem Vergnügen spüren, wie sich ihr ganzer Körper am musikalischen Ausdruck beteiligt.

Man braucht kein Therapeut sein, um das zu erreichen. Für den Unterrichtenden geht es darum, dass er in seinem Hören eine Präsenz entwickelt, die bei seinem Schüler ein besseres Hören fördert (Gefühl von Aufgeschlossenheit, Sicherheit, Vertrauen), und dass er in seinem eigenen Körper diese bewussten Orientierungspunkte entdeckt, um den Schüler besser zu den seinen zu führen.